AMEN.... und in Ewigkeit auch noch.... Es sind starke Worte, die wir da hören…. - die wir unzählige Male sprechen… -
nicht nur da im Gottesdienst. Ganz andere Töne sind das, als wir sie heute gewöhnt sind.
Da is nix zu hören von zeitgeistigen Worthülsen.... kein "des war´s", Schluss,
BABA und fall net. Da ist nix mit gedanklichen Schnellschüssen,
wie wir sie aus Politik und Journal kennen und wofür noch Applaus erwartet wird; nein Amen….
So heißt es da. Das hat Gewicht, das kann man so stehen lassen - nein, das wird man so stehen lassen.
Das hält. - Das hält auch für die Ewigkeit.
...in Ewigkeit. AMEN. Große Worte, liebe Gemeinde, sehr große Worte... Oftmals leichtfertig einfach so dahingesagt....
Wer hat nicht schon einem Gruß die Floskel angehängt ... haben uns ja schon eine Ewigkeit nicht gesehen ...
und die Kellnerin hat auch schon eine Ewigkeit gebraucht, bis sie das bestellte Bier gebracht hat ...
und Amen oder FERTIG oder Basta, wie der gelernte Italiener zu enden pflegt ...
kennen wir auch. Viel bekannter als das Wort "Amen" kann ein Predigtthema kaum sein,
kommt es doch in jedem Gottesdienst vielfach vor: "So sicher wie das Amen in der Kirche" -
wie es ja auch sprichwörtlich heißt. - Amen - feierlicher Punkt, gleich-bedeutend mit "Schluss",
"Ende" oder - wie man heute gerne sagt: "Ich habe fertig". Auf jeden Fall ein passender Predigttext
für das Ende einer Predigtreihe - schon gar über das Vaterunser.
Aber - wenn es auch aufgrund unserer Gewohnheit oft so den Anschein hat, so trifft diese Deutung von "Amen"
im Sinne von "Ende" oder "fertig" den Sinn und die Bedeutung dieses hebräischen Wortes daneben.
Im Hebräischen bedeutet der Wortstamm, der in dem Wort "Amen" steckt, etwas anderes, nämlich: "fest sein",
"zuverlässig sein", und die zugehörigen Hauptwörter bedeuten "Wahrheit", "Glaube",
"Gewissheit" und "Vertrauen" - Worte, für deren Bedeutung man heute fast schon ein Lexikon benötigt,
Werte, die nicht mehr in sind, nicht zeitgeistig. Daher ist das "Amen" seinem Wortsinn nach eine Bekräftigung von etwas,
das gesagt wurde, sei es die Bekräftigung einer Aussage (Ja, so ist es! Dem stimme ich zu!)
oder die Bekräftigung einer Bitte (Ja, so soll es geschehen! So möge es sein!).
Und in diesem Sinn ist schon in die ältesten Handschriften des Neuen Testaments am Ende des Vaterunsers
im Matthäusevangelium die Formel von Gottes Reich, Kraft und Herrlichkeit samt dem Amen angefügt worden.
Dieses Amen ist Einstimmen in das Gebet, seine Bekräftigung und Ausdruck der Zuversicht seiner Erhörung.
Wir können es noch einfacher formulieren: Kurz und bündig ist das Amen Ausdruck des Glaubens. -
Anscheinend haben die ersten Christen schnell gespürt: wenn wir dieses Vaterunser gemeinsam im Gottesdienst beten,
dann tut es gut, auch am Ende noch einmal auf Gott zu schauen. Und so haben sie vermutlich, in Anlehnung an die Psalmen,
in Anlehnung an jüdische Gebete, diesen Schlusssatz angefügt, damit sozusagen das Vaterunser eine gute Klammer,
einen guten Rahmen hat. Am Anfang "Vaterunser" und am Ende "denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit bis in Ewigkeit". Am Anfang auf Gott sehen und am Ende auf Gott sehen.
Und weil das die allerersten Christen so empfunden haben, ist dieser Satz zum Vaterunser dazugekommen
und später dann auch in anderen Handschriften aufgenommen und weiter tradiert worden. Vaterunser,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Wie eine Klammer wird dieses Gebet davon gehalten. Ein Bekenntnis zur Größe Gottes,
mit dem das Vaterunser jetzt auch schließt. Wie eine Beglaubigung, wie ein Siegel.
Es wird zum Schluss noch einmal der Grund betont, warum Beten überhaupt sinnvoll ist. Gott selbst,
so wie er sich in Jesus zeigt, ist der Grund, ist das Fundament unseres Betens.
In der Marktkirche zu Halle/Saale findet das einen sehr schönen bildnerischen Ausdruck:
Bevor Sie die Kirche wieder verlassen, trifft der Blick noch einmal auf ein nahezu lebensgroßes Kruzifix,
das von der Orgelempore herunterhängt und eben den Kirchenbesucher daran erinnert,
wem alles Singen und Beten gelten soll.
In diesem einfachen, kleinen Wort Amen findet das Vertrauen auf Gott seinen konzentrierten Ausdruck.
Darin spricht ein Mensch - sei es jetzt mit Gewissheit und Festigkeit
oder mit zittrigen Knien, begleitet von Anfechtung und Zweifel - das aus,
was ihm gewiss geworden ist, das, worauf er im Leben und Sterben vertrauen will, das,
was er von Gott an Gutem und an Erfüllung erwartet.
Irgendwo hab´ ich einmal gelesen, dass Glauben heißt: unterwegs mit einer Verheißung sein,
die uns auf unserem Weg begleitet und uns Wegweisung gibt. Was der Inhalt dieser Verheißung ist,
das drückt das Vaterunser in seinen sieben Bitten aus, die alle das aufnehmen und zusammenfassen,
was die biblische Botschaft uns als Gottesverheißung zuspricht
und wovon ich bereits zum Beginn der Predigtreihe hingewiesen habe;
dass in diesem kleinen großartigen Gebet die ganze Bergpredigt noch einmal zusammengefasst
und auf den Punkt gebracht ist:
- dass Gottes Name geheiligt werde, auch bei uns,
- dass sein Reich komme, auch zu uns,
- dass sein Wille geschehe, auch durch uns,
- dass wir unser tägliches Brot von Gott in Dankbarkeit empfangen,
- dass Gott uns unsere Schuld vergibt, wie wir unseren Schuldigern vergeben,
- dass Gott uns nicht über unsere Kraft und unser Vermögen in Versuchung führt und
- dass Gott uns erlöse von dem Bösen.
Wer zu diesen Verheißungen "Amen" sagt, der bringt das zum Ausdruck,
was ihm vertrauenswürdig geworden ist und worauf er seine Hoffnung setzt. Das heißt aber:
Mit dem "Amen" antwortet die christliche Gemeinde auf die Verheißung.
Und damit kommt noch ein zusätzliches Element dazu:
Wir hören diese Verheißungen Gottes ja immer in menschlichen Worten,
insbesondere in den Worten der Bibel, der Verkündigung, der Seelsorge oder des Unterrichts.
Und da stellt sich die Frage, ob wir in diesen menschlichen Worten die Stimme Gottes wiedererkennen.
An einer Stelle im Gottesdienst beobachte ich, dass das "Amen" gegenüber früher
immer mehr an Bedeutung gewinnt: beim Empfang des Abendmahls.
Viele Menschen empfangen das Brot behutsam mit zusammengelegten Händen und antworten
auf die ihnen zugesprochene Spendeformel: "Christi Leib für dich gegeben"
und "Christi Blut für dich vergossen" mit einem eigenen - leisen, aber deutlichen - "Amen".
Und ebenso antworten viele auf das Sendewort "Gehet hin im Frieden" nach dem Abendmahl
mit ihrem persönlichen "Amen". In diesen kleinen liturgischen Stücken ist alles enthalten,
was das Amen ausmacht: die Bekräftigung des Gehörten, die Zuversicht und Gewissheit des Glaubens,
die Antwort auf die Predigt von Gottes Verheißung.
Aber eines bedeutet dieses "Amen" sicherlich nicht:
Es heißt nicht "Ende", "Schluss", "fertig".
Es ist kein feierlicher Punkt, es ist ein feierlicher Doppelpunkt;
denn mit dieser Wegzehrung werden wir ja im Frieden hingeschickt an unseren Platz im Leben
und auf den Weg - mit Gottes Verheißung. So wie die Stimme des Engels zu Elia gesagt hat: "Steh auf,
iss und trink; denn du hast einen weiten Weg vor dir". "Amen, Amen, das heißt:
Ja, ja, so soll es geschehen." Wie es in Luthers Kleinem Katechismus steht.
Und dass Amen keine fertige, keine abschließende Bedeutung unterstellt, darauf weisen ja auch die beiden vorangehenden Worte hin:
"In Ewigkeit" - damit endet das Vaterunser-Gebet und eröffnet doch eine Weite,
die unsere Zeitwahrnehmung übersteigt. Vor dem Amen sind diese beiden Worte eingebettet in den Satz:
"Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. - Mit Ewigkeit ist etwas festgehalten,
das auf etwas abzielt, ausgerichtet ist und in dem noch eine Gewissheit mitschwingt, dass sich etwas zum Guten wenden wird.
Nicht unendlich, sondern ewig - das ist ein Unterschied - eine Differenzierung, die festgehalten werden muss,
weil da etwas noch Ungeahntes liegt, unklar, undeutlich aber doch so, dass es nicht unbestimmt ist - so wie die Geraden,
die sich irgendwann im Unendlichen kreuzen sollen - haben sie jedenfalls in der Schule behauptet - woher man das wohl weiß?
Der Blick auf die Ewigkeit korrigiert unseren Blick auf die Tatsachen und das Unabänderliche.
Und so klingen die Erinnerungen an die Ewigkeit, in Liedern und Gebeten,
wie auch am Ende des Vaterunsers als ein eindringliches Flüstern - mitten in dem Lärm der Welt,
der dieses leise Flüstern, oft genug übertönt; ein eindringliches Flüstern, das aber doch immer da ist.
In Ewigkeit - das formuliert einen Widerstand gegen das Vergessen der Zeit,
in die wir hineingestellt sind. Gerade deshalb erscheinen die kurzen Hinweise am Ende von Liedern und
Gebeten trotz aller Kürze so wesentlich. Diese Zeit hat ihren besonderen Anfang: sie zeigt sich
im Schöpferhandeln Gottes, wenn sich Zeiten und Räume für den Menschen auftun.
Diese besondere Beschreibung der Zeit aus dem Handeln Gottes, ist eine Zeit,
die sich durch die Erfahrungen Gottes und des Menschen bestimmt und die den Lebensraum des Menschen tragen.
Die eigene Lebenszeit und das schöpferische Handeln Gottes sind also unabdingbar ineinander verstrickt.
Mit Ewigkeit denken wir auch an den Anfang des eigenen Lebens, als dem Anfang der gemeinsamen Zeit,
der Zeit Gottes und des Menschen füreinander und miteinander.
Wie das Vaterunser so enden auch viele Lieder und andere Gebete. In Ewigkeit - das klingt immer mit,
wenn Menschen sich an Gott wenden; wie etwas, das nicht vergessen werden darf, das unbedingt im Blick bleiben muss.
Der Blick auf die Ewigkeit inmitten des Heute, inmitten unseres Lebens aus dem Glauben, mitten im Alltag der Welt. D
ieser Schluss ‚In Ewigkeit' richtet alles Gesagte auf etwas Neues hin aus. Wenn man will könnte man sagen:
mit diesem Blick auf die Ewigkeit steht und fällt unser, das christliche Leben.
Die Zeitfixiertheit des modernen Menschen führt dazu, dass die Todeszeit aus dem Leben ausgeblendet wird.
Lebenszeit als begrenzt zu verstehen, das ist eine Botschaft, die Christinnen und
Christen in unsere Gesellschaft immer wieder hineinzusagen haben.
Als Christinnen und Christen können wir uns mit der Verletzbarkeit von Leben am Beginn und
am Ende der Lebenszeit auseinandersetzen müssen.
Ewigkeit ist nichts Utopisches, sondern greift auf unser Leben hin - Ewigkeit wird dann leiblich spürbar werden,
wenn unser Leib verwandelt wird und unverwesbar auferstehen wird: Von Christus her wissen wir,
dass das Ende des Lebens nicht endet im Sterben, sondern unser Leben wird ‚erwachen zum ewigen Leben'.
Von der Auferstehung Jesu Christi gewinnen unsere Zeiten eine neue Gestalt.
So lesen wir dazu aus der Offenbarung des Johannes (10,6):
"Und der Engel schwor bei dem, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, der den Himmel geschaffen und was darin ist,
und die Erde und was darin ist, und das Meer und was darin ist: Es soll hinfort keine Zeit mehr sein."
Liebe Gemeinde,
Wenn ich das Vater Unser bete, bringe ich nicht Gott in Bewegung, etwas zu tun, sondern ich bringe mich in Bewegung zu Gott.
Seine Nähe wird mich schützen vor Versuchung und Bösem. Denn Gott weiß alles, was ich brauche.
Das Gebet ist nicht dazu da, ihm meine Wünsche mitzuteilen. Es ist der Ort,
an dem ich mich ihm nähere und meine Macht aus dem Händen gebe. Das Gebet gibt die Welt in Gottes Hand.
"Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit", nicht nur heute und morgen, sondern alle Zeit,
"bis in Ewigkeit". Herrschaft, Energie, Macht und Klarheit sind bei Gott.
Das JA ist gesprochen, geboren, gestorben und hat neues Leben und neue Hoffnung geschenkt.
Sein JA hat nicht die Ambivalenz unseres JA. Es ist uneingeschränkt, ohne Zweifel,
voll Liebe und Vertrauen in uns fehlbare Menschen. Dieses JA und AMEN ist anders als unseres.
Das JA ist uns gesagt, das AMEN ist unsere Antwort!
Amen. Ja, so sei es. Ja, so ist es. In Ewigkeit. - Amen.